Im blinden Hass, im Vernichtungswillen der Hamas-Terroristen, und im Antisemitismus, den manche Muslime jetzt auch auf deutschen Straßen zeigen, stecken also auch Elemente des nationalsozialistischen Judenhasses?
Cüppers: Unbedingt. Der Historiker Saul Friedländer hat für die nationalsozialistische Variante des modernen Judenhasses den treffenden Begriff „Erlösungsantisemitismus“ geprägt. Das beschreibt die verrückte, in Deutschland jedoch Staatsdoktrin gewordene Heilslehre, mit der Beseitigung jüdischer Menschen ganz anders gelagerte, vermeintliche oder reale Probleme und Missstände lösen zu können. Genau diese Form eines „Erlösungsantisemitismus“ fand in Palästina und anderen Teilen der arabischen Welt fanatische Fürsprecher und Anhänger. In historischen Quellen lässt sich der positive Bezug auf Hitler und das nationalsozialistische Deutschland gerade wegen des wahnhaften Judenhasses massenhaft nachweisen. Seitdem dauert im Nahen Osten als Großregion solcher Verschwörungsirrsinn fort und wurde auch nach 1945, als in Europa der Nationalsozialismus besiegt werden konnte, dort nie mehr zurückgedrängt oder auch nur entschieden problematisiert.
Wie gelangte die NS-Ideologie in die arabische Welt?
Cüppers: Beispielsweise berief sich Amin al-Husseini, Mufti von Jerusalem und damit bedeutendste Autorität in Glaubensfragen, schon 1929 ernsthaft auf das berüchtigte antisemitische Machwerk der „Protokolle der Weisen von Zion“, bekanntlich eine russische Fälschung. Das veranschaulicht, wie Radikale antisemitische Ideologieversatzstücke aus Europa in die muslimische Welt importierten und vor Ort für ihre Zwecke einsetzten. Genau dieser Mufti wurde im Weltkrieg Jahre später einer der bedeutendsten muslimischen Nazi-Kollaborateure. Und als ab 1941 das nationalsozialistische Deutschland mit Rommels Truppen militärisch in der arabischen Welt intervenierte, betonten beide Seiten ihre große Gemeinsamkeit: ebendiesen „Erlösungsantisemitismus“. Von deutscher Seite fand das seinen praktischen Ausdruck in Abermillionen abgeworfener Flugblätter und überaus populären arabischsprachigen Radiosendungen – propagandistische Mittel also, mit denen Judenhass und antidemokratisches Denken massiv im Nahen Osten verbreitet wurden.
