„1933 richtete Berlin einen arabisch-sprachigen Pressedienst ein, und 1935 einen Radiosender in Kairo,“ so Historiker George Bensoussan. Die Nazis waren im britisch regierten Ägypten nicht gern gesehen, außer bei den Muslimbrüdern, die den „Führer“ beinahe wie einen Messias feierten.
Als der neue Reichskanzler Adolf Hitler bei seiner ersten Rede im Sportpalast am 10.2.1933 sagte: „Nun ist die Stunde der Abrechnung gekommen,“ fühlten sich die Eiferer der MB an die „Mondsure“ erinnert: „Näher ist die Stunde des Gerichts gekommen, und gespalten hat sich der Mond.“ So nährten sich Gerüchte, Hitler sei zum Islam konvertiert, und „der Führer“ erhielt wie Kaiser Wilhelm II. vor ihm den Spitznamen „Hadschi Hitler“.
Die Nazis finanzierten die Muslimbruderschaft und regten Pogrome gegen Juden an, bei denen Allah hai, Allah hai, al Hadschi Hitler jai skandiert wurde: „Gott lebt, Hadschi Hitler kommt“. In Ägypten herrschte damals jedoch weitgehende Sympathie für den Zionismus. 80 000 Ägypter demonstrierten 1933 gegen die Machtergreifung der Nazis. Deutsche Waren und Filme wurden boykottiert. Die NSDAP entsandte 1926-1933 Alfred Hess, den in Ägypten geborenen jüngeren Bruder des späteren Reichskanzlers Rudolf Hess, um die Landesgruppe Ägypten der NSDAP Auslandsorganisation (AO) aufzubauen.
Der berüchtigte Mufti von Jerusalem, Hadschi Amin Al-Husseini (ca. 1895-1974), wiegelte schon seit 1920 zu Pogromen gegen die Balfour-Erklärung auf, u.a. zum Massaker von Hebron 1929, bei dem 67 Juden getötet wurden und die 484 überlebenden Juden von den Briten evakuiert werden mussten. (Hebron ist seit etwa 4000 Jahren eine jüdische Stadt, seit dem Abraham dort die Höhle der Patriarchen kaufte, um seine Frau Sarah zu beerdigen – der erste jüdische Grunderwerb im Heiligen Land.)
Al-Husseini studierte 1911 an der Al-Azhar Universität Kairo und war bereits im 1. Weltkrieg an der deutsch-osmanischen Geheimdienstoperation zum „Heiligen Krieg“ in Ägypten beteiligt. 1927 gründete er in Berlin ein Islaminstitut, eine Moschee in Berlin-Wilmersdorf und 1931 den Allgemeinen Islamischen Kongress, aus dem 1969 die Organisation für Islamische Zusammenarbeit hervorging, die heute 57 Mitgliedsstaaten und einen Sitz bei den Vereinten Nationen hat.
Hassan Al-Banna begrüßte diesen „guten Dschihad“ und regte al-Husseini dazu an, den arabischen Aufstand gegen „Juden, Die mit ihrem Gold die islamische Idee bekämpfen“ anzufachen. Laut Farahat gründete Al-Banna vermutlich im August 1935 den „Geheimapparat“ der Muslimbruderschaft zusammen mit Mufti Al-Husseini, der nach Al-Bannas Tod als möglicher Nachfolger an der Spitze der MB gehandelt wurde. 1936 entsandte Al-Banna Dschihadisten der MB ins Mandatsgebiet Palästina, die zusammen mit Nazi-Agenten am Arabischen Aufstand 1936-1939 beteiligt waren.
„Die Muslimbruderschaft war von Anfang an am Krieg in Palästina beteiligt, betrieb Propaganda für den Krieg, kämpfte beim Dschihad mit und lieferten Waffen und Munition“, sagte Al-Banna 1949.
1941 inszenierte Al-Husseini im Auftrag der Nazis einen erfolglosen Aufstand gegen die Briten im Irak und floh dann nach Berlin. Dort half Al-Husseini mit, die muslimische SS-Division Handschar aufzustellen, die die Juden Bosniens auslöschten, und erhielt bis 1945 monatlich 50 000 Reichsmark. Nach manchen Darstellungen gab al-Husseini die Anregung für die „Endlösung der Judenfrage“. Am 1.3.1944 rief er auf Radio Berlin die Araber dazu auf, „Juden zu töten, wo ihr sie findet.“
Nach dem Krieg floh Al-Husseini nach Kairo, wo er laut einem Memo der CIA „seine Terroristen mit denen der Muslimbruderschaft zusammengelegt hat“.
Ab 1945 begann Al-Banna eine Reihe von Attentaten an politischen Gegnern der Muslimbrüder, darunter der ägyptische Premier Ahmed Maher Pascha (24.2.1945), Richter Ahmad Khazidar (22.3.1948), Polizeichef Selim Zaki (4.12.1948) und den Ex-Premier Mahmoud Fahmi al-Nuqrashi (28.12.1948), der 1948 die MB verboten hatte. Am 12.2.1949 wurde al-Banna in einen Hinterhalt gelockt und erschossen. Von wem ist unklar.
Am 20.7.1951 wurde der König von Jordanien, Abdullah al-Hussein, bei einem Besuch auf dem Tempelberg in Jerusalem laut CIA „von einem Mitglied der Dschihad Mukada Miliz ermordet, eine extremistische Organisation, die 1948 vom Mufti al-Husseini gegründet wurde.“ Am 23.7.1952 stürzte die Muslimbruderschaft König Farouk von Ägypten und installierte Gamal Abdel Nasser.
Nasser rekrutierte mehrere Minister der Muslimbruderschaft, und holte mithilfe von Al-Husseini flüchtige Naziverbrecher nach Kairo, so wie Goebbels‘ „Judenexperte“ Dr. Johann von Leers („Omar Amin“), BND-Agent Alfred Zingler, der zusammen mit von Leers das „Institute for the Study of Zionism“ in Kairo gründete und „Mein Kampf“ ins Arabische übersetzen ließ, Dr. Aribert Heim, der „Dr. Tod“ und „Schlächter von Mauthausen“ konvertierte zum Islam und wurde als “Onkel Tarek” ägyptischer Polizeiarzt. Hans Appler, ein weiterer Goebbels-Propagandist, wurde „Saleh Shafar“, der ab 1955 für eine ägyptische Einheit antijüdische Hasspropaganda fabrizierte. Gestapo-Offizier Erich Altern, Himmler-Koordinator in Polen und Experte für jüdische Angelegenheiten, arbeitete als „Ali Bella“ als Ausbilder für „palästinensische“ Terroristen. Nasser und Al-Husseini holten insgesamt etwa 2.000 Naziverbrecher nach Ägypten, wo sie mehr oder weniger offen unter staatlichem Schutz lebten und arbeiteten.
Der vollständige Artikel von Collin McMahon auf der Seite der Jüdischen Rundschau.
