Two ingredients were present in the Farhud: incitement and the failure of the forces of law and order to protect the Jewish minority. Fear of a second Farhud, and mistrust of the Iraqi police and army.
Lyn Julius: Remembering the Farhud, 80 Years on
- 1933 – der amtierende pro-britische, sunnitische Regent Faisal I aus der Dynastie der Haschemiten stirbt im September und hinterläßt ein relativ stabilisiertes Irak trotz massiver tribalistischer Differenzen und Unruhen; sein Sohn Ghazi I, ein brennender Nationalist und Sympathisant der sunnitischen Nationalbestrebungen, übernimmt Amt und Würden und wird Thronfolger der Monarchie
- 1934 – Erste antijüdische Diskriminierungen und Anzeichen erster offizieller antijüdischer Maßnahmen (Reiserestriktionen, Zulassungsquoten im Schulsektor etc.) im Bereich der Justiz und Politik sowie Bildung; verantwortlich hierfür zeichneten sich diverse Ministerien und deren Personal
- 1936 – neue Formierung einer neuen Regierung unter Yasin al-Hashimi, dessen Kabinett bereits im Oktober umgestürzt wurde: der erste militärische Coup d’Etât im arabischen Raum der Moderne angeführt vom Armee-General und ehemaligen Verbündeten Bakr Sidqi; das Komitee zur Verteidigung Palästinas – hervorgegangen aus dem letztlich gescheiterten arabischen Aufstand gegen die jüdische Einwanderung in Palästina 1936-1939 – beschuldigt die Juden im Irak der Unterstützung pro-zionistischer Aktionen und Ideen; drei Juden wurden in den Straßen Bagdads ermordet; am Yom Kippur Tag wurde eine Bombe in eine volle Synagoge geworfen; die Nazi Propaganda verschärft sich; Ausrufung eines “Palästina Tages” sorgte für gewaltvollen Tumult, Massendemonstrationen und Hetzreden in Moscheen, in deren Folge mehrere Juden ihr Leben verloren; antijüdische Ausbrüche mehren sich auch und gerade unter dem Einfluß des neuen Regierungschefs Hikmat Suleiman, der unter Mithilfe von Bakr Sidqi an die Macht geputscht wurde; eine Fokussierung auf die “palästinensische Sache” wurde verstärkt
- 1937 – Bakr Sidqi wurde ermordet; der Monarchist Jamil al-Midfa’i ersetzte Hikmat Suleiman als Premierminister; die Sympathien mit der “arabischen Sache in Palästina” sowie eine Hervorhebung des religiösen Charakters des Kampfes gegen die Juden wurden bestärkt
- 1938 – Nuri as-Sa’id wurde Regierungschef des Irak bis 1949
- 1939 Tod des Thronerben König Ghazi I, Ernennung des pro-britischen Regenten Abdullah zum Nachfolger
- 1940 – Rashid Ali al-Gailani gründet sein erstes Kabinett, das explizit panarabistisch und pro-deutsch ausgerichtet war: März 1940 bis Januar 1941
- 1941 – Rashid Ali gründet das zweite Kabinett (18.04.1941) nach einem erfolgreichen Coup d’Etât am 01.04.1941 in Kooperation mit verbündetem Militär und intensivierte die Beziehungen zu den Nationalsozialisten; der bisher herrschende Regent Abdullah und sein Vertrauter Nuri as-Sa’id fliehen aus Bagdad und gehen ins Exil; Irak erklärt am 01.05.1941 unter der neuen Regierung Großbritannien den Krieg; Rashid Ali und seine Gefolgsleuten wurden in der versuchten Revolte von durch die Briten angeführten indischen und arabischen Truppeneinheiten geschlagen und flohen am 29.05.1941 aus der Stadt; ein Machtvakuum entstand bis zum Eintreffen der offiziellen Staatsmacht unter der Führung des exilierten Monarchen; der Farhud, das Pogrom an den Juden in Bagdad, bricht an den ersten beiden Tagen des jüdischen Festtages Shavuot aus (31.05.1941/01.06.1941) und dauert bis in den 02.06. hinein; jüdische Häuser und Einrichtungen werden geplündert, zerstört und Besitztümer konfisziert; 170-180 Juden werden nach offiziellen Schätzungen ermordet, 149 davon können namentlich bestätigt werden; tausende Juden werden hierbei verletzt; am Abend des 02.06. wurde der Regent Jamil al-Midfa’i erneut zum Premierminister ernannt und formte das fortan offizielle und stabile Kabinett Bagdads; fünf Tage später wurde eine erste Untersuchungskommission ins Leben gerufen, um die antisemitischen Ausschreitungen zu untersuchen
- 1942 – Aktivitäten der Zionistischen Organisationen treiben ihre Arbeiten voran; mehrere Gesandte aus Palästina der Mandatszeit kommen in Bagdad an und organisieren die Überlebenden der jüdischen Gemeinde, insbesondere die Jugend, und bilden sie aus im Umgang mit Waffen, unterrichten Hebräisch und helfen bei der bis dato noch illegalen Immigration nach Palästina
- 1946 – Die Arabische Liga fordert die arabischen Staaten und deren Regierungen auf, drakonische Maßnahmen gegen die zionistischen Aktivitäten zu ergreifen; in der Folge werden viele höchst restriktive Gesetze und Bestimmungen erlassen, die die Juden in ihren Freiheiten und ihren Bewegungen sowie sozio-ökonomischen Möglichkeiten beschränkten
- 1948 – Der Staat Israel wird am 15.05.1948 ausgerufen; irakische Truppen verbünden sich mit den Armeen der übrigen arabischen Anrainerstaaten, die einen Vernichtungskrieg gegen den jüdischen Staat ausgerufen haben; das Kriegsrecht wird ausgerufen und Militärgerichte eingesetzt, die insgesamt das Leben der noch irakischen Juden massiv erschwert; der irakisch-jüdische “Dreyfus” Shafiq Ades, dem Kollaboration mit dem zionistischen Feind und den Briten sowie Hochverrat vorgeworfen worden war, wird zum Tode verurteilt und am 27.09.1948 öffentlich am Galgen hingerichtet
- 1950 – Am 02.03. wird ein Gesetz erlassen, daß den verbliebenden Juden im Irak “erlaubt”, das Land Richtung Israel zu verlassen, wenn sie ihre irakische “Staatsbürgerschaft” widerrufen lassen
- 1951 – der Exodus der Juden im Irak, der als Teil des allgemeinen großen Exodus der orientalischen Juden des Mittleren Ostens sowie Nord-Afrika anzusehen ist, der im Jahr 1948 nach der Staatengründung Israels aufgrund der zunehmend erschwerten und aggressiven Lebensbedingungen in den Ländern des Orients begonnen hatte: 107.603 Juden wurden ausgeflogen, ungefähr 16000 erreichen Israel auf anderem Wege
(Ergänzung: für eine die gesamte Historie umspannende Chronologie der jüdischen Präsenz im Irak siehe auch: Nissm Reijwan, The Jews of Iraq)
Quellen:
Kedourie, Elie, The Sack of Basra and the Farhud of Baghdad, Arabic Political Studies and Memoirs, Oxfordshire, 2016, S. 622-691
Rejwan, Nissm, The Jews of Iraq. 3000 Years of History and Culture, Louisville, 2010, S.217ff. und S.257f.
Stillman, Norman, The Jews of Arab Lands in Modern Times, Philadelphia, 2003, S.405-418
Tsimhoni, Daphne, The Pogrom Farhud Against the Jews of Baghdad in 1941, Remembering For the Future – The Holocaust in an Age of Genocide, Vol. 1-3, London, 2001, S. 570-587
Header-Bild: Beit Hatfutsot, the Oster Visual Documentation Center, courtesy of The Otniel Margalit Collection, Yad Yitzhak Ben Zvi Archive
